2007
Daten sicher löschen
Die Hauptaufgabe eines Systemadministrators sind Schutz und Verfügbarmachung
von Daten. Doch Daten müssen teilweise wieder sicher vernichtet werden. Dies
ist beispielsweise der Fall, wenn alte Rechner oder Datenträger ausgesondert
werden oder gesetzliche Aufbewahrungsfristen überschritten werden. In diesem
Artikel wird gezeigt, welche Methoden zur sicheren Datenlöschung existieren,
was bei den verschiedenen Datenträgern zu beachten ist und wie man die
Datenvernichtung bereits im
Vorfeld plant.
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Inhalt 1. Wie Daten gespeichert werden 2. Physische Datenvernichtung 2.1. Magnetische Datenträger 2.2. Optische Datenträger 2.3. Magneto-optische Datenträger 2.4. Flash-EEPROM 3. Zerstörungsfreie Datenvernichtung 3.1. Einfaches Überschreiben mit Nullen 3.2. US DoD 5220.22-M (E) und (ECE) 3.2.1. Richtlinie zum Geheimschutz von Verschlusssachen beim Einsatz von Informationstechnik 3.3. Bruce Schneier 3.4. Peter Gutmann 4. Programme zur Datenvernichtung 4.1. rm(1) 4.2. destroy(1) 4.3. wipe(1) 4.4. dd(1) 4.5. neb-wipe(1) 4.6. buffer(1) 5. Die NetBSD/Schrubber Live-CD 6. Vorbeugende Massnahmen 6.1. Verschlüsselung 6.2. Daten organisieren 6.3. Medienbrüche beachten 6.4. Datensicherung und Datenvernichtung 7. Fazit 8. Literatur 9. Der Autor |
1. Wie Daten gespeichert werden
Um Daten vor unbefugtem Zugriff zu schützen, kann man kryptographische
Methoden einsetzen. So kann man, wie in [9] beschrieben,
CGD unter NetBSD einsetzen, um Dateisysteme zu verschlüsseln. Unter Linux sind
CFS,
Loop-AES,
ecryptfs und dm-crypt Alternativen. Aber Dateien müssen nicht nur aufbewahrt
und gesichert, sondern auch gelöscht werden. Wenn es sich dabei um sensible
Daten handelt, sind spezielle Löschverfahren notwendig, die die Daten
unwiederbringlich löschen.
Wie man Daten vernichtet, hängt vom Speichermedium bzw. der verwendeten
Speichertechnologie ab. Für elektromagnetische Datenträger (Festplatten,
Disketten, Magnetbänder) gibt es drei Möglichkeiten, die physikalische
Vernichtung mittels Curie-Temperatur oder Magnetfeld, oder die
vernichtungsfreie Löschung der Daten durch Überschreiben.
Um diese Verfahren zu verstehen, muss man wissen, wie elektromagnetische
Datenträger prinzipiell funktionieren. Dateien werden als Bitfolge
abgespeichert, die physikalisch auf der Festplatte durch magnetische
Flusswechsel gespeichert werden. Magnete bzw. ferromagnetische Stoffe haben
einige physikalische Eigenschaften, die für dieses Thema relevant sind.
Diese Grundlagen werden in jedem Einführungsbuch in die Elektrotechnik oder
Nachrichtentechnik, wie beispielsweise [2],
[10] oder dem für Informatiker bzw. Administratoren
hervorragend geeigneten [4], vertieft dargelegt, sodass ich
hier lediglich einen kurzen Überblick geben werde.
In ferromagnetischen Stoffen, wie Eisen, Nickel oder Cobalt, gibt es
mikroskopisch kleine, sogenannte Weisssche Bezirke oder
Domänen. Diese Bezirke sind vollständig magnetisiert, im Normalzustand
aber nicht gleich ausgerichtet. Dadurch, dass der Magnetismus der Bezirke quasi
kreuz und quer im Stoff wirkt, ist der Stoff nach aussen an sich nicht
magnetisch. Allerdings können die Bezirke gleichgerichtet werden, indem man sie
einem äusseren Magnetfeld aussetzt. Das Magnetfeld richtet alle Bezirke in
derselben Richtung aus, nämlich der Flussrichtung des äusseren Magnetfeldes. Da
nun alle Weissschen Bezirke in derselben Richtung ausgerichtet sind, wirkt der
Elementarmagnetismus des Stoffes und der Körper ist nach aussen magnetisch. Im
Physikunterricht wurde dies oft demonstriert, indem ein einfacher Eisennagel
mehrfach mit einem Tafelmagneten in derselben Richtung bestrichen wurde. Der
Nagel wurde magnetisiert und wirkte für kurze Zeit selbst wie ein Magnet. Die
Weissschen Bezirke ferromagnetischer Stoffe bleiben unterschiedlich lange
gleichgerichtet, der Körper also unterschiedlich lange magnetisch.Dieses
»Verbleiben« des äusseren Magnetismus im Körper bezeichnet man als
Remanenz (von lateinisch: remanere, verbleiben}. Die
Sättigungsmagnetisierung gibt an, welche Feldstärke notwendig ist, um
alle Weissschen Bezirke auszurichten.
Da elektromagnetische Datenträger ihre Daten lange speichern müssen, verwendet
man hier spezielle Stoffe mit hoher Remanenz. Dies ist natürlich schön, wenn
man Daten speichern will, allerdings problematisch, wenn man die Daten sicher
löschen möchte. Aufgrund der Remanenz der Datenträger kann man auch nach
mehrfachem Überschreiben der Sektoren noch vergangene Ausrichtungen mit teuren
Laboreinrichtungen rekonstruieren. Dies ermöglicht es, bereits gelöschte und
sogar überschriebene Daten wiederherzustellen.
Remanente Weisssche Bezirke können durch ein entgegengesetztes Magnetfeld in die
andere Richtung ausgerichtet werden. Die dazu notwendige Stärke des äusseren
Magnetfeldes wird als Koerzitivfeldstärke bezeichnet. Legt man ein
äusseres Magnetfeld an, das sich einmal komplett dreht, werden auch die
einzelnen Bezirke mitgedreht. Dies ist quasi so, als würde man einen
Kompass nehmen und mit einem Magneten die Nadel nach Norden ausrichten. Dann
führt man den Magneten am Kompass entlang und dreht die Nadel von Nord über Ost
und Süd nach Westen und wieder nach Norden. Den Prozess des kompletten
Herumdrehens um 360° bezeichnet man als Hysterese bzw.
Hysteresekurve. Diese Kurve ist ebenfalls wieder Material-spezifisch,
ermöglicht aber sehr gute Aussagen über das magnetische Verhalten des
Stoffes. Die Abbildung zeigt eine Freihandskizze einer Hysteresekurve. In ihr
sind die Feldstärke des äusseren Magnetfeldes und die Magnetisierung des Stoffes
an den Achsen abgetragen. Ausserdem wurden die Remanenz und die Koerzitivität
eingezeichnet.
![]() Freihandskizze einer Hysteresekurve |
Um Daten auf einem elektromagnetischen Datenträger abzulegen, richtet ein
Schreib-/Lesekopf die Weissschen Bezirke aus. Ein logisches Bit muss also immer
mindestens so gross wie ein Weissscher Bezirk sein, in der Praxis besteht es aber
aus mehreren zusammengefassten Bezirken. Die benötigte Feldstärke, die der
Schreib-/Lesekopf zum Ausrichten aufwenden muss, entspricht der
Koerzitivfeldstärke des Materials. Die Magnetisierung der Weissschen Bezirke des
Datenträgers entspricht der Remanenz. Unterschiedlich ausgerichtete Weisssche
Bezirke können sich gegenseitig beeinflussen, daher muss mit steigender
Kapazität der Datenträger die Remanenz des verwendeten Materials
ebenfalls steigen.
Ein interessantes Phänomen magnetischer Stoffe ist die Bit-Verschiebung
(engl. bit shifting). Dabei wandern die Weissschen Bezirke, die für die
Aufzeichnung verwendet werden, mehrere Mikrometer auf der Platte herum, die
Lesespuren verschieben sich also. Technisch kann man diesem Problem einfach
begegnen. Entweder werden die inneren Spuren auf einem Zylinder weiter oder man
baut eine so genannte Vorkompensation ein. Dabei verwendet man einen
Controller, der den Lesekopf die Verschiebung der Bits ausgleichen
lässt. Interessant ist dieses Phänomen für Löschverfahren durch Überschreiben.
Ebenfalls von Bedeutung für das gewählte Thema ist die so genannte
Curie-Temperatur. Auch sie ist eine spezifische Eigenschaft ferromagnetischer
Stoffe und bezeichnet die Temperatur, bei der schlagartig alle
ferromagnetischen Eigenschaften verschwinden. Setzt man einen Datenträger der
Curie-Temperatur aus, verschwindet die Ausrichtung der Weissschen Bezirke – und
damit auch alle Daten. Für die Eisen-Kobalt-Legierung
Fe65Co35 liegt die Curie-Temperatur bei 920°C und die
Sättigungsfeldstärke bei satten 2,45 Tesla. Zum Vergleich: Kernspintomographen
arbeiten mit ca. 1 Tesla, das Erdmagnetfeld hat gerade einmal 50 Mikro-Tesla.
Um die Packungsdichte auf Festplatten zu vergrössern, wurden die
Codierungsverfahren optimiert. Es existieren inzwischen verschiedene Verfahren,
um durch magnetische Flusswechsel logische Bitfolgen zu repräsentieren. Einige
Optimierungen vollzogen sich auf physikalisch-elektrotechnischer Ebene, andere
in der Codierungstheorie der Nachrichtentechnik. Es existieren beispielsweise
verschiedene Verfahren, Bitfolgen zu codieren, sodass die Anzahl magnetischer
Flusswechsel reduziert werden kann. Bekannt und am besten dokumentiert sind die
FM- und MFM-Formate – was auch daran liegt, dass sie für Disketten entwickelt
wurden und vergleichsweise alt sind.
Im FM-Format werden Bits in einer so genannten Bit-Zelle abgelegt.
Dies ist ein definierter Bereich von Weissschen Bezirken, die insgesamt meist
3 Mikrometer gross sind. Eine solche Bit-Zelle wird halbiert in ein sogenanntes
Takt-Bit und ein Daten-Bit. Das Takt-Bit wird immer gesetzt, sodass ein
Daten-Bit quasi immer zwischen zwei logischen Einsen eingekeilt ist. Ein
Daten-Bit repräsentiert dann je nach Ausrichtung eine logische Null oder Eins.
Um die Daten auszuwerten, benötigt man lediglich einen Zähler. Jedes ungerade
Bit ist ein Takt-Bit und immer gesetzt. Jedes gerade Bit ist ein Daten-Bit und
damit entweder eine Null oder eine Eins. Allerdings ist dieses Verfahren recht
primitiv und die Datenmenge je Fläche nicht sehr gross. Das MFM-Verfahren
verbessert die Datendichte, indem die Taktung geändert wird. Statt in jeder
Bitzelle ein Takt-Bit zu setzen, wird es nur gesetzt, wenn das vorige und das
folgende Daten-Bit Null gesetzt ist. Zwei Daten-Nullen in Folge werden
also nur noch durch ein Takt-Bit repräsentiert. Damit reduziert sich
der Platzbedarf und die Packungsdichte wächst. Das verwendete Codierungsformat
ist von Bedeutung, wenn man Daten durch Überschreiben mit statischen Bitmustern
löschen will.
Weiterführende Informationen sowohl zu Speicherverfahren als auch zu
Codierungstypen finden Sie in [4].
Das Betriebssystem selbst (hier NetBSD) verwendet ein Dateisystem, um Daten
abzulegen. Das heisst, die physikalischen und elektrotechnischen Vorgänge der
Datenspeicherung bleiben vor dem Betriebssystem und damit auch dem Anwender
verborgen. Trotzdem muss das Betriebssystem Daten und Metadaten
organisieren. Mit Daten bezeichnet man die eigentlichen Nutzdaten, also
beispielsweise einen Brief, der als LaTeX-Datei abgespeichert wird.
Metadaten bezeichnen »Daten über den Daten« – also Dinge wie Eigentümer der
Datei, Zugriffsrechte, letzte Änderung und so weiter. Das Dateisystem
organisiert die Ablage der Dateien in den logischen Blöcken des
Dateisystems und den physikalischen Blöcken des Datenträgers. Für
gewöhnlich wird beim Erzeugen des Dateisystems eine logische Blockgrösse
angegeben, meist sind dies 16 KB oder mehr. In diese logischen Blöcke werden
Dateien geschrieben. Die Datei wird dazu je nach ihrer Grösse in die benötigten
Blöcke verteilt. Eine Datei von 100 KB Grösse wird auf einem Dateisystem mit
16 KB Blockgrösse auf 100 / 16 = 6,25 Blöcke verteilt. Da nur ganze Blöcke
angesteuert werden können, wird die Datei in 7 Blöcke geschrieben. Der letzte
Block enthält dann nur die restlich verbleibenden 4 KB der Datei. In den frei
bleibenden 12 KB des 7. Blockes können noch die Daten einer Datei liegen, die
vorher hier abgelegt war. Diese Reste nennt man File Slacks bzw.
Restblöcke. Auch sie sind von Bedeutung für das sichere Löschen, da sich unter
Umständen in diesen Restblöcken Fragmente vertraulicher Dateien finden können.
Im schlimmsten Fall ist ein solcher Block 64 KB gross und mit nur einem
einzelnen »neuen« Byte belegt, dann lassen sich noch 65535 Byte »alte« Daten
rekonstruieren.
Neben der Aufteilung in logische Blöcke sorgt das Dateisystem auch für die
Zuordnung der belegten Blöcke zu den Dateien sowie für die Aufteilung der
logischen Blöcke auf die physikalischen Blöcke der Datenträger. In den
klassischen BSD-Dateisystemen (LFS, FFS) werden Indexknoten (Index
Node) bzw. Inodes verwendet, um Dateien im Dateisystem zu organisieren.
In ihnen finden sich die oben erwähnten Metadaten (Besitzer, Zugriffsrechte,
Zugriffszeiten etc.) sowie eine Liste der belegten logischen Dateisystemblöcke.
Soll eine Datei gelesen oder geschrieben werden, wird über entsprechende
Prozeduren (ffs_read() und ufs_bmap() für das BSD
FFS) aus dem Inode die Liste der belegten logischen Blöcke ausgelesen. Die
Identifikatoren der logischen Blöcke werden in die physikalischen übersetzt.
Anschliessend werden die benötigten Blöcke vom Datenträger angefordert. Soll
eine Datei gelöscht werden, wird lediglich der verwendete Inode und die
belegten logischen Blöcke als leer markiert. Die eigentlichen Daten in den
Blöcken verbleiben auf dem Datenträger und können beispielsweise mit fsdb(8)
rekonstruiert werden. Dazu muss man lediglich von Hand den entsprechenden Inode
wieder aufbauen. Sollen Daten unwiederbringlich gelöscht werden, sind spezielle
Löschverfahren notwendig, die in den folgenden Kapiteln erläutert werden.
Weitere Informationen zu Dateisystem finden Sie im »Daemon-Book«
[4] Kap. 7, »Local Filesystems« und Kap. 8,
»Local Filestores«], das den Aufbau der 4.4BSD-Dateisysteme (LFS, FFS, MFS)
sehr detailliert beschreibt.
Ein sehr sicherer Weg der Datenvernichtung ist die physische Vernichtung des
Datenträgers. Wenn das Medium oder Laufwerk nicht mehr funktioniert, kann es
auch nicht mehr ausgelesen werden. Für verschiedene Laufwerks- bzw.
Datenträgertypen gibt es unterschiedliche Arten und Wege, Daten zu vernichten.
Eine Warnung vorneweg: ich beschreibe den Einsatz von Feuer, Strom und
mechanischer Gewalt, um Datenträger zu vernichten. Wenn Sie von diesen Dingen
keine Ahnung haben, lassen Sie die Finger davon! Wenn Sie Datenträger
mechanisch zerstören wollen, achten Sie auf Ihren Schutz! Tragen Sie zumindest
ordentliche Arbeitshandschuhe und eine Schutzbrille! Ein umherfliegender
Splitter einer Festplatten-Scheibe kann problemlos einen Augapfel zerstören.
Wie in Kapitel »Wie Daten gespeichert werden« beschrieben, speichern
magnetische Datenträger ihre Daten, indem sie kleine magnetische Bereiche
magnetisieren. Verliert der Datenträger nun seinen Magnetismus, sind
schlagartig alle Daten unwiderruflich vernichtet.
Für jeden Magneten existiert als spezifische Eigenschaft die Curie-Temperatur.
Bei der Curie-Temperatur verliert jeder Magnet schlagartig alle magnetischen
Eigenschaften. Die Daten sind also definitiv und unwiederbringlich vernichtet.
Einziger Nachteil ist die Höhe der Curie-Temperatur. Bei handelsüblichen
Festplatten liegt sie bei ca. 1100 Kelvin bzw. 800°C, ist also mit dem
heimischen Backofen schwer zu erreichen. Hat man jedoch direkten Zugang zu
einem Hochofen, Walzwerk oder Müllverbrennungsanlagen, kann man diesen Weg der
Datenvernichtung wählen.
![]() Degausser DG02 von ibas |
Eine zweite Möglichkeit der physikalischen Datenvernichtung ist der sogenannte
Degausser. In ihm wird ein starkes Magnetfeld mit einer Flussdichte von
mindestens 1 Tesla aufgebaut.
Dieses starke Magnetfeld wird um den Datenträger herum aufgebaut und durchläuft
die Hystereseschleife (rotiert also mindestens einmal rundherum) und richtet
somit alle Weissschen Bezirke neu aus. Damit ist jegliche Form von
Daten in den Magnet-Partikeln vernichtet. Es gibt auch keine Daten in
irgendwelchen Nebenspuren oder Remanenz bereits gelöschter Dateien. Dieses
System ist definitiv sicher, zerstört aber die Festplatte. Denn das starke
Magnetfeld vernichtet auch die Steuerelektronik und Servospuren der
Festplatten.
Problematisch ist bei beiden Verfahren, dass jeder Datensektor des Mediums
erreicht werden muss. Das Magnetfeld muss jede Datenscheibe komplett durchfluten
bzw. die Curie-Temperatur mehrere Minuten an jedem Punkt jeder Datenplatte
anliegen. Da die Fesplattengehäuse schirmen, öffnen Sie die Gehäuse und
bearbeiten Sie nur die Datenplatten im Degausser bzw. im Hochofen.
Einen derartigen Degausser kann man von speziellen Firmen mieten.
Selbstbaulösungen mit etwas gewickeltem Kupferdraht sind zwar möglich, der
Konsum aller MacGyver-Folgen qualifiziert aber noch nicht zur
Elektro-Fachkraft. Lassen Sie also unbedingt die Finger von derartigen
Experimenten!
Nachteile beider Verfahren sind die Zerstörung der Datenträger und ihre
nicht-triviale Beschaffung. Zumindest ein Degausser lässt sich jedoch gegen
Entgelt mieten. Vorteil ist die hohe Sicherheit der Verfahren. Ausserdem
funktionieren sie auch mit defekten Platten, beispielsweise nach einem
Head-Crash oder mit defekter Elektronik.
Optische Datenträger speichern ihre Daten in einer Trägerschicht, die von einem
Laser abgetastet wird. Wird diese Trägerschicht physisch vernichtet, sind auch
die Daten weg. Die verbreitetsten optischen Datenträger, (wieder-)
beschreibbare CDs und DVDs, bestehen prinzipiell aus drei Schichten: der
unteren, durchsichtigen aber stabilen, Schutzschicht, der mittleren
Trägerschicht und der oberen Deckschicht.
Eine CD lässt sich am einfachsten vernichten, wenn man die obere Deckschicht,
also das, was normalerweise bedruckt ist oder beschrieben werden kann,
zerstört. Die darunter liegende Trägerschicht oxidiert in der Regel sofort bzw.
wird durch die mechanische Einwirkung ebenfalls vernichtet. Die Trägerschicht
sieht aus wie hauchdünne Alu-Folie und zerfällt sehr schnell in sehr kleine
Teile. Diese verteilen sich gerne in der Gegend und bevorzugt in Teppiche.
Dort kann man ihnen nur sehr schwer mit dem Staubsauger zu Leibe rücken.
Zerstören Sie also eine CD in einer Umgebung, in der dies nicht stört, oder
benutzen Sie einen grossen Müllbeutel oder eine Abfalltonne als Hülle. Tragen
Sie dabei Arbeitshandschuhe und schützen Sie ihre Augen! Sie können den CDs
oder DVDs mit einem stabilen Schraubenzieher, robusten Messer oder auch einem
Akkuschrauber bzw. einer Bohrmaschine mit Metallbohrer zu Leibe rücken.
Entfernen Sie die Trägerschicht gründlich und zerbrechen Sie die CD danach.
In einem Handwerksbetrieb haben wir ein einfaches System entwickelt, um
massenhaft CDs zu zerstören. Wir haben eine simple Spindel aus einem Holzbrett
und einer 15mm-Gewindestange gebaut. Auf die Spindel wurden die CDs
aufgestapelt und von oben mit einer grossen Unterlegscheibe und einer
Flügelmutter befestigt. Die gesamte Spindel wurde unter einer Standbohrmaschine
sicher eingespannt und mehrfach mit einem 12mm-Metallbohrer durchbohrt.
Weitere Möglichkeiten sind Häcksler bzw. Aktenvernichter, die auch CDs
zerhacken können. Normales Zerbrechen der CD in grössere Teile reicht nicht aus,
um Spezialfirmen davon abzuhalten, Teile der CD wieder auszulesen.
Physische Vernichtung lässt sich auch durch Ätzen der CD erreichen. Hierzu
muss die CD in eine Säure oder Ähnliches getaucht werden. Der Umgang mit Säuren
und dergleichen ist aber nicht ungefährlich und daher hier nicht weiter von
Bedeutung.
Ebenfalls nicht wirksam ist ein Zerkratzen der Unterseite der CD, da derartige
Kratzer mit Füllmasse korrigiert werden können. Es muss die Trägerschicht des
Mediums vernichtet werden. Dies lässt sich am besten über die Oberseite
erreichen.
Wirksam, aber nicht empfehlenswert, ist die Mikrowelle. Durch die
Mikrowellenstrahlung wird innerhalb von Millisekunden die Trägerschicht
effizient und nicht-rekonstruierbar vernichtet. Dabei entstehen aber giftige
und umweltschädliche Dämpfe sowie eine erhöhte Brandgefahr.
2.3. Magneto-optische Datenträger
MO-Medien sind aufgrund der verwendete Speicherverfahren und technischen
Umsetzungen vergleichsweise robust. Magneto-optische Datenträger
schreiben Daten magnetisch, lesen diese dann aber wieder
optisch über Laser aus. Soll ein Datum auf den Datenträger geschrieben werden,
wird die Oberfläche von Laser über die Curie-Temperatur erhitzt. Damit
verschwindet die Magnetisierung der Oberfläche und nach Herunterkühlen
unter die Curie-Temperatur wird mit dem Magnetkopf das Datum geschrieben.
Weitere Informationen zu MO-Laufwerken finden sich in [4].
Da das Erhitzen der magnetischen Schicht über die Curie-Temperatur hinaus
jeglichen Magnetismus entfernt, reicht ein einmaliges Überschreiben der
gesamten Platte aus.
Flash-EEPROMs werden in USB-Sticks oder Compact-Flash-Karten verwendet. Sie
verwenden keinen Magnetismus, um Daten abzulegen, sondern sogenannte »Floating
Gates« der Feldeffekt-Transistoren (FETs). Vereinfacht gesprochen ist das
Floating Gate ein Leiter zwischen zwei Punkten (Source und Drain, Quelle und
Abfluss genannt). Durch Anlegen einer Spannung kann der Leiter blockiert
werden, eine gleich hohe, aber negative Spannung öffnet den Leiter wieder. Je
nachdem, ob der Leiter offen oder blockiert ist, wird eine logische 1 oder 0
repräsentiert. Ein FET ist also im Prinzip nichts anderes
als ein sehr kleiner Schalter.
Daten können erst überschrieben werden, nachdem die alten Daten gelöscht
wurden. Die Löschoperation kann dabei nur bei bestimmten EEPROMs auf Byte-Ebene
erfolgen; meist geschieht dies Sektor-weise, woher auch der Name Flash
rührt. Da es bei den Feldeffekt-Transistoren nicht möglich ist, vorige
Belegungen zu rekonstruieren, genügt ein einfaches Überschreiben der Daten mit
einem beliebigen Bit-Muster. Praktisch lässt sich dies am einfachsten mit einem
dd if=/dev/zero of=/dev/sd0d realisieren.
Beachten Sie aber, dass ein Flash-Speicher systembedingt nur eine begrenzte
Anzahl von Lösch-Operationen durchführen kann. Dies rührt daher, dass bei jedem
Durchtunneln der Oxid-Schicht des Floating-Gates diese Schicht beschädigt wird.
Zur Zeit geben die Hersteller Zyklen von 100.000 bis 1.000.000 Löschvorgängen
an.
3. Zerstörungsfreie Datenvernichtung
Um Daten auf magnetischen Datenträgern, wie Festplatten, Disketten oder
Bändern, sicher zu löschen, müssen die Blockinhalte der Datei überschrieben
werden. Dazu gibt es verschiedene Standards und Methoden, die unterschiedliche
Sicherheitsstufen bieten.
Problematisch sind hierbei allerdings grundsätzliche Probleme: Die bereits
erwähnten Datei-Reste in Blöcken sowie die Existenz nicht bekannter Kopien der
Daten. Das Betriebssystem kann eine Datei unter anderem in den Swap-Speicher
ausgelagert haben, sodass sich die Daten auf der Swap-Partition befinden.
Ebenso kann die Datei im temporären Verzeichnis /tmp abgelegt
werden. Daher kann man zwar dafür sorgen, dass die bekannte Datei sicher
gelöscht wird, nicht jedoch alle anderweitig existierenden Kopien der Daten.
Ausserdem können nur Dateien überschrieben werden, die noch existieren. Bereits
unsicher gelöschte Dateien können nicht ohne Weiteres überschrieben werden.
Ausserdem funktioniert Überschreiben nicht, wenn das Dateisystem die Blockgrösse
bei jedem Speichervorgang neu zuordnet. Dies tut beispielsweise das
BSD-Dateisystem LFS. Um Daten sicher zu überschreiben, muss der Schreib-Cache
der Platte deaktiviert werden. Verwenden Sie dazu unter NetBSD dkctl(8)
in der Form dkctl GERÄT setcache none. Leider schalten nicht alle
IDE-Platten den Schreib-Cache ab, obwohl dies implementiert sein müsste.
SCSI-Platten können generell ihren Schreib-Cache abschalten.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Abhängigkeit der statischen Bitmuster vom
Speicherverfahren der Festplatte. Eine Platte mit FM benötigt andere Bitmuster
als MFM. Inzwischen gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Verfahren – auch
proprietäre und daher unbekannte. Bisher existiert kein spezifisches Schema
der Bitfolgen für die neueren Verfahren wie EEPRML, MTR oder Trellis, da sie
kaum oder gar nicht öffentlich dokumentiert sind. Hier hilft nur der Einsatz
von Zufallsdaten, die das Signal der Daten verrauschen.
Alles in allem sind Überschreibeverfahren im Dateisystem kritisch zu
beurteilen. Sie sind nicht hinreichend, wenn der Datenträger ausgesondert wird.
Sie sind nur dann nützlich, wenn der Datenträger weiter im Besitz bleibt und
möglichst verschlüsselnde Dateisysteme eingesetzt werden.
3.1. Einfaches Überschreiben mit Nullen
Beim einfachen Überschreiben des Datenträgers wird jeder Block mit Nullen
überschrieben. Damit schützt man sich zwar vor Programmen, die die Daten
wiederherzustellen versuchen, nicht jedoch vor anderen Massnahmen. Durch das
gleichmässige Bitmuster lassen sich die vorher gespeicherten Daten relativ
einfach wieder rekonstruieren. Dies wird zwar schwerer, je höher die
Datendichte (und damit Kapazität) der Festplatte ist, ist aber nicht
unmöglich.
Diese Methode ist nicht empfehlenswert.
3.2. US DoD 5220.22-M (E) und (ECE)
Ein vom US DoD (United States Department of Defense, US-amerikanisches
Verteidigungsministerium) herausgegebener Standard. In drei Durchläufen werden
die Daten erst mit 0xFF, dann mit 0×00 und abschliessend mit Zufallsdaten
überschrieben.
Eine Erweiterung des (E)-Standards ist die (ECE)-Version mit insgesamt sieben
Durchläufen. Zuerst und zuletzt werden die drei Durchläufe der (E)-Version
(0xFF, 0×00, Zufallsdaten) geschrieben. Als 4. Durchlauf werden wiederum
Zufallsdaten geschrieben.
Die Zufallsdaten erhöhen die Sicherheit des (ECE)-Verfahrens, schützen jedoch
nicht vor aufwendigen Laboranalysen. Ausserdem werden beide Standards in
[11] nicht im Dateisystem eingesetzt, sondern
direkt auf den Datenträger geschrieben.
Weiterhin wurde befohlen, dass das US-Militär mittels Überschreiben keine Daten
löschen darf, die als Geheim oder Streng Geheim eingestuft
wurden. Derartige Daten dürfen nur über Degausser vernichtet werden.
3.2.1 Richtlinie zum Geheimschutz von Verschlusssachen beim Einsatz von Informationstechnik
Die Richtlinie zum Geheimschutz von Verschlusssachen beim Einsatz von
Informationstechnik des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik
spezifiziert sieben Durchläufe, je dreimal 0xFF und 0×00 im Wechsel und
abschliessend ein Durchlauf mit 0xAA.
Aufgrund der statischen Bitmuster nicht empfehlenswert.
Bruce Schneiers Algorithmus aus [6] überschreibt die Daten
erst mit 0xFF, 0×00 und fünfmal mit im streng kryptographischen Sinne
zufälligen Daten. Streng zufällige Daten sind jedoch aus signaltheoretischer
Sicht nicht zwingend erforderlich, da die zu löschenden Daten »lediglich« durch
unregelmässige Signale verrauscht werden sollen. Hierzu genügen auch
pseudo-zufällige Daten wie aus /dev/urandom generiert oder aus
Anwendungsdateien wie Videos oder MP3-Dateien.
Peter Gutmann ist natürlich kein Standard, sondern Autor von
[1]. In diesem Artikel analysiert er trefflich die
Speichermethoden auf magnetischen Datenträgern. Sein Vorschlag zum sicheren
Löschen ist ein 35-faches Überschreiben der Daten. Hierbei werden in den ersten
und letzten vier Läufen Zufallsdaten geschrieben, ansonsten verwendet er
spezielle Bitmuster. Diese speziellen Bitmuster sind an die Speicherverfahren
der Festplatten (RLL, MFM) angepasst. Ziel ist es hierbei, mithilfe der
Bitmuster das rekonstruierbare Signal der Nutzdaten zu verrauschen. Dabei
werden beispielsweise erst die Folge 01010101 und danach das Komplement dazu,
10101010, geschrieben. Damit ist sichergestellt, dass jedes »Bit« einmal
gedreht wurde.
Die Idee des Standards kann als sicher betrachtet werden. Allerdings
ist die Implementierung durch die Einführung neuer Codierungsstandards
veraltet, da nur MFM, (1,7)RLL und (2,7)RLL-kodierte Festplatten betrachtet werden.
Anhand stochastischer Berechnungen (siehe [5]) kann man
davon ausgehen, dass 33 Schreibvorgänge mit zufälligen Daten mit einer
Wahrscheinlichkeit von 99% jedes Bit der Festplatte zweimal »umschalten«, die
Nutzdaten also sehr sicher von der Platte schrubben. Sieben Durchläufe reichen
aus, um jedes Bit der Platte einmal umzuorientieren. Abbildung
dd-wipe2 zeigt ein Skript, das eine Festplatte 33-mal mit Zufallsdaten
überschreibt. Dies kann mit den unten beschriebenen Programmen wipe(1) und
dd(1) oder neb-wip(1) problemlos realisiert werden.
4. Programme zur Datenvernichtung
Im folgenden werde ich einige Programme vorstellen, die Daten durch mehrfaches
Überschreiben löschen. Diese Verfahrensweise muss aber kritisch betrachtet
werden, da es einige Probleme zu beachten gilt. Überschreibeverfahren
funktionieren nicht, wenn das zugrunde liegende Dateisystem die Blockgrösse
dynamisch alloziert. Es ist schlicht nicht möglich, beim Überschreiben genau
die Blöcke zu treffen, in denen die Nutzdaten liegen.
Empfehlenswert sind die angegebenen Löschprogramme im Dateisystem nur, wenn der
Datenträger weiterhin unter physischer Kontrolle bleibt. Soll er ausgesondert
werden, sind zerstörende Massnahmen sinnvoller oder zumindest wie in oben
beschrieben der Einsatz von dd(1), um direkt auf die Platte zu schreiben.
NetBSDs rm(1) kann mit der Option -P zu löschende Dateien mit
0xFF, 0×00 und Zufallsdaten überschreiben. Unter Linux leistet shred(1)
Ähnliches. Damit können Daten gelöscht werden,
die vor einfacher Wiederherstellung durch Software geschützt werden sollen. Der
Standard schützt nicht vor Laboranalysen. Sicheres Löschen von Dateien im
Dateisystem ist in NetBSD mit Bordmitteln nicht zu bewerkstelligen. Lediglich
komplette Datenträger oder zumindest Partition lassen sich mit Zufallsdaten
schrubben.
In Pkgsrc findet sich das Programm destroy(1) von Shane Kinney. Destroy
überschreibt Dateien je Durchlauf einmal mit Null und einmal mit Zufallsdaten.
Es können 1 bis 20 Durchläufe durchgeführt werden. Dieses Verfahren kann bei
hinreichend vielen Durchläufen (mindestens 7) als sicher angesehen werden.
Wipe von
Tom Vier ist als pkgsrc/sysutils/wipe installierbar. Es
löscht komplette Verzeichnisbäume und ist wesentlich flexibler konfigurierbar
als Destroy. Wichtige Optionen sind:
- -I unterbindet Bestätigungsanfrage an den Benutzer
- -r löscht rekursiv Verzeichnisse
- -s schaltet Fortschrittsanzeige aus
- -v zeigt Fortschrittsanzeige für jede Datei an
- -d löscht Dateien nach dem Überschreiben
- -D behält Dateien nach dem Überschreiben
- -n löscht spezielle Dateien (Fifos, Links, etc.)
- -N überspringt spezielle Dateien (Fifos, Links, etc.)
- -k oder -K sperrt Dateien während des Überschreibens bzw. sperrt sie nicht
- -o oder -O schreibt die Bitmuster an STDOUT oder in eine Datei
- -p x wiederholt alle Läufe x-mal
- -x x führt x Durchläufe mit Zufallsdaten durch, gilt pro Lauf, der mit -p
festgelegt wurde, -p4 -x2 führt 4 * 2 = 8 Zufallsläufe durch - -b überschreibt einmal mit angegebenem Byte
- -l x Sicherheitsstufe
- 0 Der Pseudozufallsgenerator wird nur einmal initialisiert
- 1 Der Pseudozufallsgenerator wird für jede Datei initialisiert
- 2 Der Pseudozufallsgenerator wird für jeden Durchlauf initialisiert
- -a oder -A überschreibt Daten, bis der Plattenplatz verbraucht ist. bzw.
tut dies nicht - -z oder -Z überschreibt Dateien einmal mit Nullen oder deaktiviert diesen
Modus - -t oder -T aktiviert oder deaktiviert statische Durchläufe
- -B und -S setzt die Anzahl und Grösse der Sektoren eines Block-Gerätes
- -C maximale Dateipuffergrösse
Standardmässig läuft wipe mit den Optionen -ZdntVAkO -S512 -C4096 -l1
-x8 -p1, d.h. keine Nullen, löscht Dateien und spezielle Dateien, mit
statischen Durchläufen, Fortschrittsanzeige, sperrt dabei die Dateien, schreibt
in eine Datei mit Blockgrösse von 512, Dateipuffergrösse von 4096, der
Pseudozufallsgenerator wird für jede Datei initialisiert, es wird achtmal mit
Zufallsdaten überschrieben und das ganze Muster einmal durchlaufen.
Wipe kann auch als Quelle für andere Prozesse verwendet werden: So kann man mit
wipe -T -x1 -o 20971520 | dd of=cont2 bs=20971520 20971520 Bytes,
also 20 MB, Pseudozufallsdaten generieren und mit dd(1) in eine Datei schreiben
lassen. Mit Wipe als Quelle dauert der Prozess knapp 1,5 Sekunden, mit
/dev/urandom 26 Sekunden.
Ein Programm namens »wipe« ist auch in einigen Linux-Distributionen zu finden,
doch handelt es sich offenbar um ein ganz anderes Programm, allerdings für den
gleichen Zweck.
Wie bei »wipe« beschrieben, haben Überschreibe-Verfahren einige
grundsätzliche Probleme. Sie funktionieren nicht auf Dateisystemen mit
dynamischer Grössenanpassung, können nicht-bekannte Kopien nicht überschreiben
und erwischen keine Datei-Reste in Blöcken.
Möchte man sicherstellen, dass alle Daten auf einer Festplatte – oder zumindest
einer Partition – überschrieben werden, muss man zu des Administrators
Superwaffe dd(1) greifen. Man kann dd verwenden, um direkt auf Raw-Geräte zu
schreiben, also unterhalb des Dateisystems. Ein simples
dd if=/dev/wd0h of=/tmp/wd0h.dd schreibt den gesamten
Inhalt der Partition wd0h in eine Datei. Umgekehrt kann man mit
dd if=/tmp/container of=/dev/wd0h eine Datei auf die Partition
schreiben lassen. Mithilfe der beiden Geräte /dev/zero und
/dev/urandom kann man eine unendliche Folge von Nullen bzw.
Pseudozufallsdaten erzeugen und auf eine Partition oder Festplatte
schreiben lassen. Mit den Befehlen dd if=/dev/zero of=/dev/wd0h;
dd if=/dev/urandom of=/dev/wd0h wird die Partition wd0h zuerst mit
Nullen und dann mit Zufallsdaten überschrieben. Dabei wird jeder
Block der Partition, auf den die Festplatte Zugriff hat, überschrieben. Ein
derartiges Verfahren ist von der Technik her das sicherste, da die Daten direkt
über das Raw-Gerät überschrieben werden. Es müssen lediglich hinreichend viele
Durchläufe benutzt werden, wie beispielsweise in Abbildung
dd-wipe gezeigt wird. Hierbei wird eine Schleife eingesetzt, die
fünfmal durchlaufen wird.
In der Schleife wird die gesamte zweite IDE-Festplatte (wd1 ist
die zweite Platte, die Partition d die gesamte Platte) dreimal
mittels dd(1) beschrieben. Zuerst mit Nullen aus /dev/zero, dann
mit Pseudozufallsdaten aus /dev/urandom und abschliessend mit
wipe(1) als Pseudozufallsgenerator. Die Option bs=2m setzt die
Blockgrösse auf 2 Megabyte. Dies erhöht den Schreibdurchsatz auf die Festplatte
erheblich, als Wert sollte hier immer die Grösse des Platten-Caches verwendet
werden. Die Option progress gibt alle 50 Blöcke
(also 50 * 2 MB = 100 MB) einen kleinen Punkt als Fortschrittsanzeige aus. In
der letzten Zeile wird das Programm wipe(1) als Zufallsgenerator verwendet, da
es wesentlich schneller ist als /dev/urandom. Die Option
-o 2097152 setzt zwar die Grösse der zu erzeugenden Zufallsdaten
auf 2097152 Byte, also genau 2 MB, aber die Option -a überlädt
-o und generiert solange Daten, bis das Gerät voll ist und dd(1)
abbricht. Die meisten Festplatten lassen sich schneller schrubben, wenn beide
Programme mit einer Blockgrösse von 2 MB arbeiten.
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Abbildung dd-wipe2 zeigt ein einfaches Shellskript, das
insgesamt 33-mal eine Festplatte mit Zufallsdaten überschreibt. Dazu wird
wipe(1) als Quelle für Zufallsdaten verwendet. Mit der Option
-o 2097152 wird wipe(1) angewiesen, 2 MB grosse Blöcke zu
schreiben. Dies erhöht den Durchsatz dramatisch gegenüber anderen
Einstellungen. Auf meinem »IBM Thinkpad X24«-Laptop steigt der Schreibdurchsatz
von 6 MB auf 10 MB, wenn die Blockgrösse auf 2 MB gesetzt wird. Der
einzustellende Wert hängt jedoch von der verwendeten Festplatte ab, sodass
man ein paar Blockgrössen ausprobieren sollte. Das Programm dd(1) gibt beim
Beenden immer die durchschnittlich geschriebenen Bytes je Sekunde aus, sodass
sich etwas Experimentieren lohnt. Ausserdem wird im Skript der Schreibcache
jeder Platte abgeschaltet und zusätzlich nach jedem Durchlauf auf die Platte
geschrieben. Die Massnahme ist notwendig, da nicht alle IDE-Platten den
Schreibcache wirklich abschalten.
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NetBSD-Wipe ist über Pkgsrc-WIP erhältlich. Es schreibt direkt auf ein
Raw-Gerät. Dazu kann es Gutmann-Bitmuster verwenden oder Zufallsdaten erzeugen.
Es können beliebig viele Durchläufe geschrieben werden. Der verwendete
Pseudozufallszahlengenerator ist wesentlich schneller als
/dev/urandom. Mit neb-wipe -r 33 /dev/sd0d
überschreibt man die erste SCSI-Platte 33-mal mit Zufallsdaten.
Buffer ist ein Zwischenpuffer, der für Magnetbänder entworfen wurde. Der
Eingabefluss wird geglättet und zwischengespeichert, so dass das Bandlaufwerk
nicht ständig vor- und zurückspulen muss, falls gelesene Daten ausbleiben.
Anstatt dd(1) sollte man buffer(1) verwenden, um direkt auf Bänder zu
schreiben, insbesondere wenn erst Zufallsdaten generiert werden müssen. Bei
schnellen Bändern empfiehlt es sich, die Zufallsdaten erst in eine Datei zu
schreiben und diese dann auf das Band zu bringen.
Mit wipe -T -x1 -o 20971520 -a | dd of=wipedatei bs=1m count=2048;
buffer -i wipedatei -o /dev/nrst0 wird zuerst eine 2 GB grosse Datei mit
Zufallsdaten generiert und anschliessend mit buffer auf das erste Bandlaufwerk
geschrieben.
5. Die NetBSD/Schrubber Live-CD
Um eine Festplatte komplett zu putzen, benötigt man ein System mit bestimmten
Werkzeugen. Zu diesem Zwecke habe ich eine NetBSD/Live-CD erstellt, die auf
einem minimalistischen NetBSD 3.1 basiert und alle notwendigen Werkzeuge
mitbringt.
Mit der CD kann man einen beliebigen PC booten und zum Schrubben der Platten
einsetzen. Einzige Voraussetzung ist ein bootfähiges CDROM-Laufwerk und
unterstützte IDE- bzw. SCSI-Controller, was aber meist der Fall ist. Das System
ist sehr minimalistisch, es gibt keine Manpages, keine einkompilierten
Netzwerkkarten und sonstige Hardware, die nicht benötigt wird. Im Kernel sind
alle verfügbaren IDE- und SCSI-Controller aktiviert, sodass
nahezu jedes Massenspeichergerät angesprochen werden kann.
Auf der CD finden sich neben der Allzweckwaffe dd(1) auch die oben
vorgestellten Programme Wipe und Neb-Wipe sowie das Shell-Skript
wipe-33.sh. Es verwendet Wipe, um 33-mal alle übergebenen
Partitionen mit Zufallsdaten zu überschreiben. Die Anzahl der Durchläufe
kann mit der Umgebungsvariable DURCHLAEUFE festgelegt werden; die
zu überschreibenden Partitionen werden als Argument übergeben. Das Skript prüft
alle Geräte auf Existenz und gibt ggf. eine Warnmeldung aus. Falls das Gerät
existiert, wird der Schreibcache mit dkctl(8) deaktiviert und eine Schleife mit
der entsprechenden Anzahl der Durchläufe gestartet. Nach jedem Durchlauf wird
mit dkctl(8) der Schreibcache zum synchronisieren gezwungen. Dies ist leider
notwendig, da einige IDE-Platten den Schreibcache nicht abschalten können. Mit
diesem Behelf wird zumindest am Ende eines Durchlaufs dafür gesorgt, dass der
Cache auf die Platte geschrieben wird. Das Skript gibt einige Statusmeldungen
nach jedem Durchlauf aus, um den Fortschritt anzuzeigen. Mit
export DURCHLAEUFE=7 && ./wipe-33.sh wd0d sd0d} werden die
erste IDE- und die erste SCSI-Platte komplett in sieben Durchläufen geschrubbt.
Die CD lässt sich über das Passwort-lose Root-Konto benutzen. Es werden acht
Terminals initialisiert, die über STRG+ALT+F[1-8] erreicht werden können. Die
Terminals F4 bis F8 sind mit 50 statt 25 Textzeilen initialisiert, was
allerdings auf einigen sehr alten Grafikkarten (z.B. ATI) zu Problemen führt.
Das erste Terminal (STRG+ALT+F1), auf dem die Bootmeldungen erscheinen, ist die
Konsole. Dort schlagen auch die Kernel-Meldungen an den Syslogd auf. Daher
ist es ratsam, ein anderes Terminal zum Arbeiten zu verwenden.
Die einfachste Massnahme, um die Datenvernichtung zu vereinfachen, ist die
Datensparsamkeit. Daten, die nie gespeichert wurden, müssen auch nie gelöscht
werden. Da nicht alle sensiblen Daten nicht gespeichert werden können, ist der
Einsatz verschlüsselnder Dateisysteme geboten. Damit wird der direkte Zugriff
auf die Daten verhindert. NetBSD bietet mit CGD und CFS zwei Varianten, um
Dateisysteme zu verschlüsseln, mit CGD können gesamte Partitionen – auch
/tmp und die Swap-Partition – verschlüsselt werden. Die Artikel
[7] und [9] beschreiben die
Funktionsweise verschlüsselnder Dateisysteme sowie
den Einsatz von CGD und CFS unter NetBSD. Die Artikel
CFS und
Loop-AES
beschreiben ähnliche Vorgehensweisen für Linux.
Auch wenn Daten verschlüsselt wurden, müssen sie sicher gelöscht werden. Dies
gilt insbesondere für die Passwort-Hashes oder Schlüssel der Dateisysteme.
Ausserdem kann eine Festplatte oder ein Magnetband 30 Jahre halten – und niemand
kann garantieren, dass die eingesetzten kryptographischen Verfahren dann noch
sicher sind. Eine adäquate Vorgehensweise ist hier das mehrfache Überschreiben
der Festplatte mit Zufallsdaten.
Wenn Sie grosse Datenmengen verwalten müssen, organisieren Sie die
Datenstruktur entsprechend der Schutzstufen. Legen Sie eindeutige Kriterien zur
Bestimmung der Schutzstufe fest und teilen Sie beispielsweise fünf Schutzstufen
(0 – nicht schutzwürdig, 4 – Streng Geheim) ein. Legen Sie anschliessend
fest, wie die Schutzstufen zu löschen sind (0 – einmaliges Überschreiben
Zufallsdaten; 4 – sicheres Löschen der Datenträger durch mehrfaches
Überschreiben und anschliessende physikalische Vernichtung der Datenträger
durch Degausser). Setzen Sie von vornherein ein Verschlüsselungsgebot für alle
Daten ab Stufe 2 durch. Verschlüsseln Sie ebenfalls alle Sicherungs-, Arbeits-
oder sonstigen Kopien der Daten. Verbieten Sie in Ihrer Sicherheitsrichtlinie,
die geschützten Daten anderweitig abzulegen als erlaubt. Beachten Sie ebenfalls
Medienbrüche (Ausdrucke). Tragen Sie Sorge, dass auch Ausdrucke von geschützten
Dateien geschützt und entsprechend vernichtet werden. Ebenfalls
hilfreich ist es, die Schutzstufe im Dateinamen zu hinterlegen, sodass eine
Datei beispielsweise PersAkte-Müller.SS4.txt heisst. Ebenfalls
hilfreich ist insbesondere in grossen Organisationen eine Markierung der
Datenträger, die ihre Schutzstufe wiedergibt. Eine rote »S4« mit Folienstift
auf die Festplatte gemalt oder auf einem hitzebeständigen,
resistenten Etikett dürfte ausreichen.
Überprüfen Sie alle Kopierer und Drucker auf Festplatten – grössere Modelle für
den Netzwerkeinsatz haben oft eingebaute Festplatten. Diese müssen natürlich
ebenso sicher gelöscht werden wie die restlichen Datenträger.
Ausserdem sollten müssen Sie Medienbrüche beachten, das heisst neben den
Festplatten gegebenenfalls auch Ausdrucke vernichten. Hierfür gibt es
Aktenvernichter, die idealerweise 1 mm2 kleine Schnitze erzeugen.
Wenn Sie einen externen Dienstleister mit der Vernichtung Ihrer Datenträger
betrauen, ist es empfehlenswert, die Datenträger vorher durch mehrfaches
Überschreiben zu löschen. Es sind auch schon in Sicherheitsunternehmen
Datenträger gestohlen worden.
6.4. Datensicherung und Datenvernichtung
Auch sensible Daten müssen gesichert werden. Dazu bedarf es unbedingt des
Einsatzes von Verschlüsselung. Verschlüsseln Sie ausnahmslos jede
Kopie der sensiblen Daten – auch jene, die Sie in Ihrer geschützten Umgebung
aufbewahren.
Richten Sie gegebenenfalls verschiedene Sicherungskreise ein. Dies ist
notwendig, wenn Sie Daten haben, deren Lagerfrist kürzer ist als Ihre gängige
Archivierungsdauer. Der Gesetzgeber schreibt beispielsweise
Aufbewahrungsfristen von maximal 2 Jahren für Einträge in Personalakten vor.
Wenn Sie eine Personalakte mit Eintrag 5 Jahre archivieren, kann der
betreffende Mitarbeiter Sie verklagen und wird problemlos gewinnen. Sorgen Sie
daher dafür, das Daten mit Verfallsfrist entsprechend gesondert gesichert und
aufbewahrt werden. Überwachen Sie die Verfallsdaten im Zuge Ihrer regelmässigen
Inventur der Sicherungsmedien! Markieren Sie sensible Medien oder Medien mit
Verfallsdatum eindeutig. Dies kann mit bunten Etiketten, einem einfachen
Folienschreiber oder über Softwarelabel (beispielsweise dump -L 'SS4
2009-01-31') geschehen.
Mein Handbuch zur Datensicherung [8] widmet sich diesem
Thema ausführlich und beschreibt, wie verschiedene Programme (Bacula oder
Amanda) konfiguriert werden müssen, um verschiedene Sicherungskreise
einzurichten.
Sicheres Datenlöschen ist mit etwas Aufwand möglich. Selbst nichtzerstörende
Verfahren wie mehrfaches Überschreiben bietet Schutz gegen übliche
Laboranalysen. Das bedeutet, das mindestens 7-mal, besser noch 33-mal,
Zufallsdaten auf das Raw-Gerät geschrieben werden müssen.
Sind die Daten so wertvoll, dass sie ausführliche und teure
Laboranalysen rechtfertigen, hilft nur die physikalische Vernichtung mittels
angemietetem Degausser oder Curie-Temperatur, falls man darauf Zugriff hat. Man
kann die Datenvernichtung auch an externe Dienstleister abtreten. Beachten Sie
aber, dass es dann zu unüberwachbaren Sicherheitsproblemen kommen kann -
überschreiben Sie die Datenträger also sicherheitshalber!
Eine Richtlinie zum sicheren Löschen ist in grösseren Organisationen zwingend
erforderlich. Bewerten Sie anfallende Daten bezüglich ihrer Schutzstufe und
legen Sie passende Löschverfahren fest. Markieren Sie sensible Datenträger und
berücksichtigen Sie sensible Daten und ihre Verfallsdaten in der
Sicherungsstrategie.
[1] Gutmann, Peter:
Secure
Deletion of Data from Magnetic and Solid-State Memory. In: USENIX Security
Symposium Proceedings. San Jose, California: USENIX, July 1996.
[2] Lindner, Studiendirektor H.; Bauer, Dr. H.; Lehmann, Prof. Dr. C.:
Taschenbuch der Elektrotechnik und Elektronik. 7. völlig neubearbeitete
Auflage. Leipzig: Fachbuchverlag Leipzig, 1999. ISBN 3-446-21056-3
[3] McKusick, Marshall K.; Bostic, Keith; Karels, Michael J.; Quarterman,
John S.: The Design and the Implementation of the 4.4BSD Operating System. 1.
Auflage. Readin, Massachusetts : Addison-Wesley, 1999. ISBN 0-201-54979-4
[4] Messmer, Hans P.: Das PC-Hardware-Buch. 1. Nachdruck der 5. Auflage von 1997.
Bonn: Addison-Wesley, 1998. ISBN 3-8273-1302-3
[5] Reinke, Dr. T.: Sicheres Löschen magnetischer Datenträger. (2004).
Zugriffsdatum: Jan. 2007
[6] Schneier, Bruce: Applied Cryptography. Addison-Wesley, 1997.
ISBN 0-471-11709-9
[7] Schumacher, Stefan: Einführung in kryptographische Methoden (2004).
Zugriffsdatum: Okt. 2006
[8] Schumacher, Stefan: Methoden zur
Datensicherung – Strategien und Techniken für NetBSD (2006), S. 154.
[9] Schumacher, Stefan: Verschlüsselte
Dateisysteme für NetBSD. In: GUUG UpTimes Dezember 2006 (2006).
[10] Steinbuch, Herausgeber Dr.-Ing. K.: Taschenbuch der Nachrichtenverarbeitung. 2.
überarbeitete Auflage von 1968. Berlin/Heidelberg : Springer-Verlag, 1967. -
nur noch antiquarisch verfügbar
[11] National Security Agency: U.S. DoD 5220.22-M National Industrial Security Program Operating Manual (»NISPOM«).
National Security Agency, 2001.
Stefan Schumacher beschäftigt sich in seiner Freizeit mit japanischen
Kampfkünsten sowie mit NetBSD und PostgreSQL. Seine persönlichen Webseiten sind
unter www.net-tex.de bzw.
www.cryptomancer.de erreichbar. Seine
PGP-Schlüssel-ID ist 0xB3FBAE33.
Copyright (C) Stefan Schumacher
Erschienen auf Pro-Linux,
letzte Änderung 2007-04-29
Powered by ScribeFire.
![[Freihandskizze einer Hysteresekurve]](http://www.pro-linux.de/berichte/jpgs/sicheres-loeschen/hysterese_small.png)
![[Degausser]](http://www.pro-linux.de/berichte/jpgs/sicheres-loeschen/degausser_DG02_small.jpg)

